bookmark_borderNarzissmus: Die narzisstische Persönlichkeit und die Gesellschaft

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Psychotherapie narzisstisch gestörter Patienten: Ein verhaltenstherapeutisch orientierter Therapieansatz

ISBN: 3794526007

Darin wird auch der Werdegang angesprochen, den die Bewertung des Begriffes Narzissmus, bis hin zur NPS, über die Jahre durchlaufen hat. Der Narzisst als „Monster“ ist erst eine Ausgeburt jüngerer Zeit. Vermutlich stark befeuert, durch all die vielen privaten Opferberichte im Internet. Kurz, jeder Partner, der sich unliebsam gibt, ist mittlerweile ein potenziell Persönlichkeitsgestörter.

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Narzissmus und Gesellschaft :: Forum kritische Psychologie

Narzissmus: Das Dogma des sozialen Minimalkonsens

 

Ich denke, dass Narzissmus und damit die Persönlichkeiten, deren Besonderheit darin besteht, von einem enormen Egozentrismus geprägt zu sein und sich selbst als die wichtigste Autorität in ihrem Kosmos zu begreifen, ganz besonders deshalb irritierend wirken, weil diese Auffassung der eigenen Wichtigkeit, in unserer zeitgenössischen Erziehungskultur geächtet ist. Kindern wird möglichst früh ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt, eine Art grundsätzliche Loyalität mit den Mitmenschen.

Die Wichtigkeit des sogenannten sozialen Netzes, das man sich im Idealfall möglichst früh bereits erschafft, wird überall betont; ist stets gegenwärtig. Das Individuum soll sich binden, sich verbinden, vernetzen, emotional empathisch seine Umwelt begreifen; um auf diese Weise Werte zu verinnerlichen und Recht von Unrecht unterscheiden zu können. Sich abzusondern ist verpönt, macht einen zum Außenseiter und jedem Mitspieler auf dem sozialen Parkett unmissverständlich klar, spielst du nicht mit, dann bist du draußen. Mitspielen meint jedoch nicht nur die Oberfläche, auch wenn diese es ist, auf der das Augenmerk liegt.

Es beinhaltet auch die – als selbstverständlich angenommene – Internalisierung zwischenmenschlicher Werte. Zu denen, an vorderster Front, der Gemeinschaftsgedanke und, als seine quasi Speerspitze, eine altruistisch motivierte Grundhaltung vorausgesetzt werden. Ich bin ein guter Mensch, wenn ich an die anderen Menschen mit denke. Teilen ist edel. Alles abgeben ist dumm, aber auch edel. An alle Anderen denken, außer an sich selbst, das ist das, was Heilige tun. Will ein Kind in der Kita nicht teilen oder verhält sich ab- / ausgrenzend, wird die Betreuerin intervenieren. „Aber Tom, findest du das schön? Schau nur, die Nina ist jetzt ganz traurig. Lass sie doch auch mitspielen.“

Und wenn Tom dann immer noch nicht will, dann steht ein Gespräch mit mindestens einem Elternteil im Raum. Kinder haben sich sozial zu verhalten, darauf wird alles ausgerichtet. Schließlich sollen sie vollwertige Mitglieder unserer sozialen Gesellschaft werden. Wir sehen uns hier dem Dogma des sozialen Minimalkonsens gegenüber, der als Grundfeste jeden korrekten, gesunden, zwischenmenschlichen Umgangs vorausgesetzt wird.

Dieses Dogma sieht sich indes extrem irritiert, so eine Besonderheit im Wesen auftritt, die sich seinen Grundfesten verweigert, in dem sie die eigene Person in einer Weise ins Zentrum des Interesses stellt, der sich alles andere unterzuordnen hat, wie es bei Narzissmus immanent der Fall ist. Eine narzisstische Persönlichkeit, die sich dem Eigenlob und der eigenen Wichtigkeit verschreibt, und, anstatt nach Integration ins Gemeinschaftsgefüge, eine exponierte Sonderstellung für sich anstrebt.

Ja, mitunter sogar deutlich ihren Anspruch der subjektiven Bevorzugung herausstreicht und diesen vehement einfordert, alles Sinnen und Trachten darauf richtet. Diese Persönlichkeit kann nur störend wirken, in einem auf Harmonie und Gleichklang ausgerichteten Umfeld. Und so wird sie, logisch zwingend, zum Störfaktor.

Der nächste Schritt, das Störende nun generell als in sich selbst gestört zu betrachten, scheint daher naheliegend. Ebenso die Konklusion, man müsse das Gestörte, den / die Gestörte, nun professionell passend machen (lassen). Umso entsetzlicher der Umstand, dass dererlei Gestörte idR keinen Anlass dazu sehen. Im Gegenteil, nur all zu oft darauf beharren, nicht sie wären das Problem, sondern die inadäquate, über Gebühr harmonisierende Verhaltensweise der Umwelt. Daraus entsteht ein Spannungsfeld der gegenseitigen Schuldzuweisungen, das, wird es nicht irgendwann aufgelöst, zur völligen Abkehr und Ausgrenzung desjenigen führen wird, der in dieser Situation gefangen verbleibt.

Die Selbstmordrate unter so genannten Persönlichkeitsgestörten, die beispielweise den Narzissmus beinhaltet, ist signifikant erhöht. Die vielen Opfer, bzw. die, die sich dafür halten und (oft im Internet) laut (an)klagend mit dem Finger auf ihre vermeintlichen Narzissten, Psychopathen, Borderliner u. ä. m. zeigen, oft diagnostiziert von eigenen Gnaden und ohne jede fundierte Grundlage, verschärfen diesen Zustand zusätzlich.

Mir bleibt an dieser Stelle lediglich, jeden Leser dieser Zeilen zu bitten, womöglich etwas mehr darauf zu achten, wo die Persönlichkeitsstörung etwas zu schnell bei der Hand ist. Wir tun uns alle keinen Gefallen mit dieser Art der Aburteilung, von etwas, das im Grunde jedem Menschen innewohnt. Dem Wunsch nach Achtung, Respekt, Annahme und dem, etwas Besonderes zu sein. Leben und leben lassen. Und ebenso auch einmal bei sich selbst hinschauen, wo man selbst sich nur zu gerne ins Recht setzt, ohne Rücksicht auf Verluste. Alleine das würde die Anzahl der vermeintlichen Narzissten / Psychopathen / Soziopathen / etc. pp. wahrscheinlich erheblich dezimieren. ;)

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bookmark_borderVon Psychopathen, Narzissten, Dissozialen, Egomanen & ähnlich Unliebsamen

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Autorin (Forum-Pseudonym): MinaHarkness

Psychopathen, toxische Persönlichkeiten & deren angebliche Zerstörungswut

Es macht mich müde mittlerweile. So unendlich müde. All diese Schuldzuweisungen, Bewertungen, Abwertungen, (Vor)Verurteilungen, dieses vermeintliche Wissen um das Böse im Gegenüber. Mein „Böses“ ist die Struktur des Psychopathischen. Ich gehöre zur Gattung der Psychopathen. Menschen wie mir wird zugeschrieben, dass sie Vergnügen daran fänden, ihr Gegenüber emotional, seelisch und oft auch physisch auszubeuten, ja, regelrecht hinzurichten.

Psychopathie impliziert immer auch Narzissmus, noch so eine Persönlichkeitsstruktur, der das Böse immanent zugeschrieben wird. Ich bin als Psychopath diagnostiziert, große Analyse, mit allem was sonst noch dazu gehört. Ja, sie sind, was sie zu sein meinen. Herzlichen Glückwunsch, sie sind ein Monster.

Wie viel Ich steckt in dieser Wertung? Wie viel über meinen Schmerz? Wie viel darüber, wie ich wurde, was in der Diagnose eines Psychopathen manifestiert wurde? Wie sehr ich gekämpft habe, um wenigstens noch das zu sein und nicht vollkommen unter zu gehen? Wie viel Mensch ist in diesem zerstörungswütigen Monster noch erkennbar geblieben? Schaue ich mich um, innerhalb dieser um mich wissenden, bleiernen Müdigkeit, so weiß ich, dass das prinzipiell gleichgültig ist.

Es interessiert schlicht nicht mehr. Das Urteil ist bereits gesprochen. Psychopathen sind per se toxisch. Ich kann mir den Rest, rein rational betrachtet, guten Gewissens (über das ich ohnehin nicht verfüge) sparen. Aber etwas in mir wehrt sich dagegen. Besteht darauf, dass ich in die Tasten greifen und ihm eine Stimme geben soll. Was im Geschäftsleben bereits angekommen scheint, zumindest partiell, umrissen im Prinzip der „Furchtlosen Dominanz“, das ist im sozialen, privaten Umgang noch immer eine völlige Utopie.

Man traut einem Psychopathen (generell einer als toxisch klassifizierten Persönlichkeitsstruktur) nicht zu, dass sie einen freien Willen haben könnte. Während man ihr einerseits das absolut willentliche Böse unterstellt, spricht man ihr im Gegenzug die freie, willentliche Entscheidung zur Gutartigkeit vollkommen ab. Frei nach dem Motto, dass ein soziales Raubtier zwingend töten müsse, um zu überleben. Psychopathen müssen bösartig sein, sonst sind sie keine Psychopathen – fertig.

Ich bin aber kein reines (Raub)Tier. Ich mag mehr von einem Predator in mir tragen, als ein Mensch, dessen emotionale Konstitution intakt ist, aber ich habe dennoch einen menschlichen Geist. Und dieser ist durchaus in der Lage, ganz bewusst Entscheidungen zu treffen, Alternativen zu suchen und seine eigene Moral zu entwickeln; mag diese auch nicht mit gängigen Wertmaßstäben überein stimmen. Wer beurteilt eigentlich ob das nicht vielleicht doch der Fall ist?

Schließlich fragt in aller Regel von den Verurteilern niemand den Verurteilten, was der dazu zu sagen hat. Am Besten, man redet nicht mit „solchen Leuten“ und „grenzt sich akribisch ab“. So bleibt man sich fremd. Das Fremde ist suspekt. Die sozialen Raubtiere, die Psychopathen, Narzissten, dissozialen Egomanen, sie sind unter uns; man gebe acht und halte sich von ihnen fern!

Ich habe mich Jahrzehnte lang verleugnet, sogar vor mir selbst. Und ja, genau das führte dazu, dass ich zerstörerisch wurde und war. Weil ich mir das, was da passierte, nicht einmal selbst eingestehen konnte. Wer will denn schon „so sein“? Und dennoch trieb mich etwas in immer neuerliche Therapien, in denen ich mit den Therapeuten und Behandlern herumspielte, mich an ihren Versuchen ergötzend, zu erfassen, was sie da wirklich vor sich haben könnten. Und wie sie alle versagten.

Wie ich sie zum Narren hielt und mein Gnadenbrot daraus extrahierte, das Gefühl der Überlegenheit. Ich zahlte dafür Unsummen. Und irgendwann, da wurde mir gewahr, wie teuer ich dieses Gnadenbrot bezahlte. Nicht nur monetär, auch menschlich. Ich bekam Diagnose um Diagnose, Etikett um Etikett. Wissend darum, dass dies alles nur das Ergebnis einer Theatervorstellung war, die ich virtuos lieferte, um das zu erhalten, von dem ich annahm, dass es das Maximale wäre, was mir noch erreichbar wäre – ein kümmerliches, zu teuer bezahltes Gnadenbrot. Mich als Psychopathen diagnostizieren zu lassen, das vermied ich akribisch, bis am Ende mein Partner mir die Pistole auf die Brust setzte.

Diese Erkenntnis führte dazu, dass ich damit aufhörte und begann dieses Dogma des maximal Erreichbaren zu hinterfragen. Das Etikett, das Schandmal, von dem ich wusste, dass ich es trug, infrage zu stellen. Mich zu hinterfragen und meine gesamte Konstitution. Und das eröffnete mir schließlich die Möglichkeit zum Durchbruch. Zu meiner eigenen Willensfreiheit und zu der Perspektive, die mich das Schreckliche als das erkennen ließ, was es schlussendlich ist; ein logischer und überwindbarer Zustand.

Was tun Psychopathen, wenn sie ihre Beziehungspartner seelisch zerreißen? Was geschieht tatsächlich, wenn eine toxische Struktur, seine Mitmenschen, die es zulassen, dass sie ihnen nahe kommt, in unendliche Dramen verwickelt? Nun, ein (soziales) Raubtier muss fressen. Das weiß man doch, nicht wahr? Der Irrtum jedoch ist, dass das, was Psychopathen / Dissoziale in den Dramen vorfindet, für sie genießbar wäre. Denn das ist es eben genau nicht und das führt erst zu diesen Endloswiederholungen. Es geht nicht um Genuss im Drama und somit auch nicht um Lust an der Zerstörung.

Es geht um emotionalen Hunger. Endlosen, gnadenlosen Hunger, der einfach nicht gestillt werden kann, egal in welche Extreme die Dramen und die Qual des Gegenüber, die die (vermeintlich) toxische Persönlichkeitsstruktur nicht mitfühlen kann, gesteigert wird. Würde sie es mitfühlen können, wäre der Hunger gestillt. Ja, der Aggressor würde sich die Seele aus dem Leib kotzen, vor lauter überfressenem Ekel. So jedoch spielt sich im Prinzip das immer gleiche Drama ab, in wechselnden Settings und mit wechselnden Akteuren und entsprechend gelagerter Intensität.

Die toxische Struktur, die versucht in sich Emotion zu erzeugen, um den Hunger danach zu stillen, bearbeitet ihr Gegenüber, in der Hoffnung, dass dieses ihr etwas zukommen lässt. Doch, ganz gleich, was das Gegenüber auch immer aufbietet an Zugewandtheit, diese kommt nicht an. Das soziale Raubtier beißt stärker zu. Irgendwann muss doch Blut fließen, verdammt! Irgendwas, das nahrhaft ist. Doch nahrhaft ist nichts davon. Macht ein solches Wesen, ein Mensch, der emotional gar nicht satt werden kann, diese überaus frustrierende Erfahrung oft genug, dann wird er dazu übergehen, seine Befriedigung in anderen Belangen zu erreichen.

Macht und Kontrolle sind solche Ausweichfelder, auf denen (gut angepasste) Psychopathen, gerade aufgrund ihrer Voraussetzungen, brillieren können. Das schlägt sich in der Regel auch monetär nieder. Und somit erklärt sich auch, warum viele dieser Personen in höheren Positionen zu finden sind. Sie machen „das Beste“ aus ihren Voraussetzungen. Das, was jeder andere Mensch auch tun würde und wofür im Normalfalle niemand verurteilt wird.

Psychopathen zeigen reflexhaftes Kompensationsverhalten. Ob bewusst oder unbewusst, das bleibt im Einzelfall dahingestellt. Sie kompensieren eine emotionale Behinderung. Eine Unfähigkeit. Indem sie auf anderen Sektoren Fähigkeiten entwickeln. Und diese Fähigkeiten schlagen sich mitunter in ihrem gesamten Leben nieder. Sie sind schließlich diese kontrollierenden, machtvollen, dominanten, erfolgreichen Personen und genau das zieht schlussendlich die Menschen an, die am Ende, wenn sie sich freudig diesen „erfolgreichen, starken, präsenten, tollen Menschen“ als Partner / Beute angedient haben, am lautesten schreien.

Sie wollten partizipieren und sind zutiefst empört, wenn sie indes diejenigen sind, an denen partizipiert wird. Leider immer erfolglos, denn genau dort liegt ja der Versagenspunkt eines Psychopathen / einer toxischen Persönlichkeit, des sozialen Raubtiers, das dann, in letzter Endkonsequenz, genervt den tödlichen Biss (die Trennung vom Betreffenden) setzt – und immer noch nicht satt wurde. Enttäuscht und achtlos lässt es die Beute fallen, von der es in der Regel nicht mehr weiß, wie viele vor ihr waren.

Selbst wenn das soziale Raubtier nicht das Leid seiner Beute spürt (und sich deshalb, wider aller Behauptungen, auch nicht daran ergötzt), so ist es dennoch kein reines Tier, wie gesagt. Und es wird, wird es sich dieses endlosen, frustrierenden und sinnlosen Kreislaufes bewusst, zu (s)einer Entscheidungsfreiheit finden. Und dort stand ich vor einer gewissen  Zeit. Man erfasst was vor sich geht und fragt sich, wozu das gut sein soll? Außer um immer neuerliche Frustrationen (und Anklagen) zu erzeugen. Und man beschließt, dass einem das zu dumm ist. Dass es unter der eigenen Würde ist, sich fortgesetzt derartig zu verhalten.

Man ist schließlich kein reines Tier. Im Erfassen und im Eingeständnis des eigenen Versagenspunktes, liegt der Schlüssel, um sich zu entscheiden, wie man dieses Versagen zukünftig zu kompensieren gedenkt. Und erst ab diesem Zeitpunkt – nicht vorher – wird man verantwortlich dafür. Je eher dieser Punkt erreicht wird, je leichter es einer solchen Person gemacht wird, (sich) zu erkennen und das was geschieht, um so eher wird dieser Punkt erreicht sein. Psychopathen sind in aller Regel keineswegs dumm, jedenfalls nicht die, die sich gut anpassen konnten und  überaus beherrscht sind. Dieser, der überwiegende Teil, von Persönlichkeiten, die man als Psychopathen überhaupt klar klassifizieren könnte, werden nicht straffällig.

Schauen wir uns all diese Verurteilungen und Stigmatisierungen von Psychopathen und ähnlich gelagerten, sogenannten toxischen Persönlichkeiten, also einmal im Licht und unter der Prämisse dieses Umstandes an. Wie „leicht“ wird es einem Psychopathen wohl fallen, sich einzugestehen, das quasi personifizierte Böse zu sein? Und nun erklärt sich womöglich die gesamte Destruktivität all dieser Anklagen, die nämlich genau das erhalten und befeuert, was sie anklagen. Die Selbstverleugnung der (vermeintlich) toxischen Persönlichkeitsstruktur. Und so lange diese von Bestand ist, so lange ist sie in diesem zerstörerischen Kreislauf konserviert und gefangen.

Oft erscheint im Kontext der vielen Erfahrungsberichte, der sich selbst als Opfer eines Psychopathen (Narzissten, Egomanen etc. pp. = toxische Persönlichkeitsstruktur) definierenden Personen, die eigentlich eher Anklageschriften gleichen, die Selbsteinschätzung, sich für besonders (hoch)sensibel, empathisch und feinsinnig zu halten. Und ebenso wird konstatiert, dass einen das besonders anfällig machen würde, für ein solches „soziales Raubtier“. Nun, es macht einen nicht nur anfällig, es macht einen auch – logisch zwingend – besonders interessant für einen Psychopathen / Dissozialen.

Zumindest so lange dieser sich noch im Jagdmodus befindet und sich einbildet, er müsse nur die perfekte Beute finden und verschlingen, dann würde er endlich mal ordentlich satt. Denn nicht nur „die Beute“ unterliegt einer Täuschung (dass sie diesen Menschen ändern, bzw. überhaupt erst einmal wirklich für sich gewinnen könnte), sondern auch das soziale Raubtier selbst, das sich die Unmöglichkeit seines Unterfangens, des Stillens des Hungers über die Jagd, nicht eingestehen will.

Logisch schlüssig, ist es so, dass ein Wesen, das nach Emotionen jagt, Beute bevorzugen wird, die offensichtlich davon überfließt. Das erst weckt ja die Hoffnung, dass „dieser Happen“ endlich mal groß genug sein könnte, um das bohrende innere Defizit, diese unerträgliche Langeweile und Ödnis, zum Schweigen zu bringen. Das „Opfer“, beseelt von dem Wunsch, sich mit diesem sich so wunderschön darstellenden Menschen zu verbinden, am Besten in symbiotischer Verschmelzung (der „Mangel im Opfer“), bietet sich lasziv den scharfen Zähnen seines begehrten Objektes dar.

Um dann in den höchsten Tönen zu schreien, beißt dieses doch tatsächlich zu. Und es wird nachsetzen darin, denn jetzt gibt es kein Halten mehr. Ist auch das soziale Raubtier nur noch Marionette seiner Gier. Das ist im Grunde eigentlich bereits alles. Der gesamte Dramamechanismus, runtergebrochen auf einige Zeilen. So wenig und doch so viel. Wer ist jetzt „schuld“ an der Misere? An dem, was so viele Menschen produziert, die sich als regelrecht zerstört erleben?

Gibt es überhaupt einen Schuldigen? Ich bin zum Psychopathen geworden, weil ich im recht frühen Kindesalter als Lovepet abgerichtet wurde, in vielen, überaus sadistischen Sessions. Uns Kindern wurde nicht gestattet zu dissoziieren, über Drogen und Reize wurden wir zurückgeholt, damit wir auch ja alles haarklein mitbekommen sollten. Zu jener Zeit spaltete sich meine Psyche in zwei Anteile auf. Einer davon war vollständig frei jeglicher (über rudimentäre Protoemotionen hinausgehende) Emotion.

Dieser psychopathische Teil sicherte mein Überleben und auch die Funktion in den vielen darauf folgenden Jahren. Eigentlich war ich derartig tief traumatisiert, dass ich zu keinerlei normaler Lebensführung getaugt hätte. So jedoch, dank dieses Persönlichkeitsanteiles, der mich kontrollierte, wurde es mir möglich, ein relativ normales und sogar leidlich erfolgreiches Leben zu führen. Was bin ich jetzt? Täter? Opfer? Oder doch einfach nur Mensch? Einer, der dann „seine Moral“ entworfen hat?

Eine, die immer im Werden ist. Mit jedem Fehler den ich mache und die meistens darin bestehen, Menschen als Objekte zu betrachten, weil ich das mit mir selbst auch tue. Denn so, wie ich in diesem Modus kein Mitgefühl für meine Mitmenschen habe, so habe ich es auch nicht für mich selbst. Immer wieder zurücktreten und mich fragen, ob ich zu weit gehe? Ob ich etwas tue, das mein Gegenüber in eine Abhängigkeit bringen könnte? Ob ich manipulativ werde, „es“ mit mir durchgeht?

Ob mein Gegenüber im Bilde ist, worauf es sich u. U. einlässt und das wissentlich und willentlich tut? Ob ich zubeißen „muss“, bietet sich mir etwas so verlockend „zum Fraße“ dar? Ob es das „mir wert“ ist? Ob ich noch immer ein soziales Raubtier bin?

Ja, bin ich. Und werde es immer sein. Aber ich werde immer mehr eines, das sich mit tiefem, bedauerndem Brummen abwendet, liegt ein besonders saftiger Happen auf seinem Weg. Und neuerdings, kann ich sogar damit beginnen, zu schauen, was diesem liegenden Happen wieder auf die Beine helfen könnte, damit er sich dorthin wenden kann, wo nicht, wie bei mir, nur der Fraß auf ihn warten würde.

Ich kann mich entscheiden. Ich habe andere Wege gefunden mich zu erfüllen, als über „normale Emotionen“, die mir in dieser Form schlichtweg nicht gegeben sind. Da kann ich mich auf den Kopf stellen, das ändert gar nichts. Ob ich sie gerne hätte? Oh ja – denn ich erinnere mich. Auch wenn es sehr lange her ist. Ich war ein kleines Mädchen, das zwar die Prädisposition zum Psychopathen in sich trug, doch hätte diese sich niemals voll entfalten müssen, wäre nicht meine Traumatisierung in dieser Form erfolgt.

Ich bin nicht von Geburt an „gefühlsblind“. Das macht es irgendwie noch etwas schlimmer. Aber es ist okay.

Schön wäre, wenn man den Menschen auch sähe. Nicht nur das Raubtier.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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